Alle Nachrichten
Bußgeld 28. August 2026 5 min

Anderthalb Millionen Adoptionsgeschichten auf Datenträgern, die niemand mehr finden konnte

Südkorea sanktioniert das eigene nationale Zentrum für Kinderrechte: insgesamt 885,2 Millionen Won, wegen Verstößen, die Adoptierte, vermisste Kinder und Adoptionsbewerber betreffen

Kurz gefasst

Die koreanische Personal Information Protection Commission hat das National Center for the Rights of the Child, eine öffentliche Stelle, wegen einer Reihe von Verstößen im Umgang mit besonders sensiblen personenbezogenen Daten sanktioniert. Insgesamt 885,2 Millionen Won: 863 Millionen an Strafzahlungen und 22,2 Millionen an Bußgeldern.

Das Projekt, das das Problem erzeugt hat

Zwischen 2013 und 2022 digitalisierte die Stelle ihre Papierakten zu Minderjährigen. Betroffen waren mehr als 1,17 Millionen Akten: rund 1,14 Millionen zu adoptierten Personen und etwa 30.000 zu vermissten Kindern. Zu den verarbeiteten Daten zählten Einwohnerregisternummern — das koreanische Gegenstück zu einer nationalen Kennnummer, jedoch mit weit größerer Identifikationskraft — unverschlüsselt gespeichert.

Die Daten landeten auf unzureichend geschützten Geräten, und die Stelle hatte keine grundlegenden Kontrollen, um den Verbleib dieser Geräte nachzuvollziehen. Dass sie fehlten, trat erst bei Prüfungen 2024 und 2026 zutage: zwei Jahre zwischen der einen und der nächsten Erkenntnis.

Warum dieser Fall mehr wiegt als ein gewöhnliches Bußgeld

  • Es sind Daten, die einen Menschen lebenslang begleiten: wer seine Herkunft sucht, wer zur Adoption freigegeben wurde, eine Familie, die ein Kind verloren hat
  • Es gibt keine Abhilfe: eine Kennnummer lässt sich nicht wie ein Passwort ändern, und eine Adoptionsakte wird nicht wieder vertraulich, wenn sie einmal draußen ist
  • Verantwortlich ist eine öffentliche Stelle — genau jene, der diese Menschen ihre Daten geben mussten. Keine Alternative, kein anderer Anbieter
  • Die Digitalisierung erfolgte zu einem guten Zweck — die Archive nutzbar zu machen — und verhindert hat das nichts

Das Digitalisierungsprojekt ist der Risikomoment, nicht das Archiv

Ein im Lager verschlossenes Papierarchiv ist langsam und unbequem, aber auch schwer im Ganzen fortzuschaffen. Sobald man es digitalisiert, wandert der gesamte Inhalt auf Medien, die kopiert, bewegt und verloren werden. Das Digitalisierungsprojekt gehört als eigene Verarbeitung behandelt: Folgenabschätzung, verschlüsselte Datenträger, ein namentliches Geräteverzeichnis und ein regelmäßiger Abgleich, der nicht zwei Jahre wartet.

Fragen an einen Mandanten, der gerade digitalisiert

  • Wer scannt tatsächlich: eigenes Personal oder ein Dienstleister? Deckt der Vertrag nach Art. 28 auch Transport und Verwahrung der Datenträger ab?
  • Wo liegen die Dateien während der Bearbeitung, bevor sie im Zielsystem ankommen? Das ist das temporäre Archiv, das niemand ins Verzeichnis schreibt
  • Sind die Wechseldatenträger verschlüsselt? Ist die Verschlüsselung geprüft, oder ein Kreuzchen im Leistungsverzeichnis?
  • Gibt es ein Geräteverzeichnis mit je einer verantwortlichen Person, und wie oft wird es abgeglichen?
  • Was geschieht am Ende mit den Papieroriginalen: zertifizierte Vernichtung, oder ein Lager, das in Vergessenheit gerät?

Die Höhe des Bußgelds — rund 641.000 US-Dollar — ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass eine öffentliche Stelle zwei Jahre brauchte, um zu bemerken, dass Datenträger mit über einer Million sensibler Akten nicht dort waren, wo sie sein sollten. Die fehlende Kontrolle ist hier keine technische: Es ist eine Liste, die jemand aktuell hält und für die jemand geradesteht.

Offizielle Quelle:Personal Information Protection Commission (Corea del Sud) - comunicati e decisioni

Suchen Sie ein Werkzeug für Ihre Arbeit als Datenschutzbeauftragter?

DPO Workspace wurde von einem zertifizierten Datenschutzbeauftragten entwickelt. 30 Tage kostenlos testen.

Kostenlos starten

Verwandte Artikel

Bußgeld
153,7Millionen Real, für ein selbst angegebenes Alter

In Brasilien kostete es 153,7 Millionen Real, nach dem Alter zu fragen und die Antwort zu glauben

Entscheidung vom 25. August 2026. Die brasilianische Behörde beanstandete Mängel der Altersprüfung sowohl im Feed ohne Registrierung als auch im Feed mit Konto. Neben dem Bußgeld: die Anordnung, unrechtmäßig erhobene Daten zu löschen und Profile unter 16 standardmäßig auf die restriktivste Einstellung zu setzen.

25. Aug. 2026Neu 5 min
Bußgeld
280.000Euro für ein nie bestätigtes Konto

Der Nutzer hat das Konto nie bestätigt: für die italienische Behörde gibt es keinen Vertrag und die E-Mails sind rechtswidrig

Bescheid vom 18. Juni 2026, veröffentlicht am 29. Juli. Ein Bürger erhält Werbe-E-Mails, ohne je das Mitgliedsformular ausgefüllt zu haben. Die Ermittlung zeigt: Wer die Kontoerstellung nicht bestätigte, landete trotzdem in den Listen. Das Double-Opt-in gab es, es war nur mit nichts verbunden.

29. Juli 2026Neu 6 min
Bußgeld
26Beschwerden, und kein Bußgeld

Man nennt den Vertrag und weist dann die Widersprüche ab: Norwegen zeigt, wie die beiden Fehler zusammen reisen

SATS verlangte von Mitgliedern ein Foto, das im Mitgliederverwaltungssystem bleibt und am Empfang zur Identitätsprüfung beim Eintritt genutzt wird. Datatilsynet stellte fest, dass die Information eine falsche Rechtsgrundlage nannte, das Widerspruchsrecht nicht erläuterte und dass Widersprüche ohne Nachweis zwingender berechtigter Gründe zurückgewiesen wurden. Frist zur Behebung: 11. September 2026.

26. Aug. 2026Neu 6 min